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Eichendorff-Zentrum |
Das „Oberschlesischen Eichendorff-
Kultur- und Begegnungszentrums“
Seit einigen Jahren arbeitet sie,
die Stiftung Oberschlesisches Eichendorff-, Kultur- und
Begegnungszentrum in Lubowitz. „Gut Ding will Weile haben“, möchte
man meinen, steht doch bereits in der Gemeinsamen Erklärung von
Bundeskanzler Dr. Helmut Kohl und Ministerpräsident Tadeusz
Mazowiecki vom 14. November 1989 unter Punkt 54 „ Beide Seiten
werden sich darüber verständigen, die Gedenkstätte für Gerhart
Hauptmann auszubauen und eine Gedenkstätte für Joseph von
Eichendorff einzurichten und beider für Besucher zugänglich zu
machen“. Seit dieser Erklärung sind schon 15 Jahre ins Land
gegangen, mit den Mitteln der Bundesrepublik Deutschland, der
Bayrischen Regierung, unzähliges Privatspenden, dem großen
ehrenamtlichen Einsatz des Eichendorff-Vereins mit dem Vorsitzenden
Leonard Wochnik und dem Pfarrer Dr. Heinrich Rzega um nur zwei
Personen zu nennen ist es gelungen ein Grundstock für die künftige
Arbeit zu legen.
Im Jahre 1989 entstand in Lubowitz
eine Initiativgruppe, die den Eichendorff-Verein gründete. Der
Verein, dessen gerichtlichen Registrierung erst nach dem
Zusammenbruch des kommunistischen Regimes und der Anerkennung der
Existenz der deutschen Minderheit möglich war, ist neben den
Bezirksverbänden der deutschen Minderheit (SKGD) in den
Wojewodschaften „Schlesien“ und Oppeln, dem landesweiten
Zusammenschluss deutscher Minderheitsverbände (VdG) sowie der
Gemeinde Rudnik, in deren Grenzen Lubowitz liegt, Stifter des
Eichendorffzentrums.
Gemäß der Satzung ist das Hauptziel
des Vereins Objekte, die mit Joseph Freiherr von Eichendorff in
Verbindung stehen, zu betreuen - insbesondere die Schlossruine, den
alten Friedhof, den Lubowitzer Schlosspark sowie die Grabstätte des
Dichters und seiner Ehefrau in Neisse. Der Verein bemüht sich um die
Pflege der Eichendorffschen Poesie sowie die Sammlung von Dokumenten
und Andenken, die mit Eichendorff in Verbindung stehen. Die
Restaurierung des 1945 zerstörten Eichendorffschen Geburtshauses,
des Schlosses in Lubowitz, zu ermöglichen gehört ebenso zu den
Zielen als auch die Pflege der deutschen und oberschlesischen Kultur
und der Traditionen Schlesiens, beizutragen. In den Jahren seiner
Tätigkeit konnte der Verein dem Areal um die Schlossruine durch
ehrenamtliches Engagement zu einem ansehnlichen Zustand verhelfen.
Der Verein erwarb zudem angrenzende bebaute Grundstücke mit einer
Gesamtfläche von 12 1/2 Hektar, die einst im Besitz der Familie
Eichendorff waren.
Im Jahre 1999 brachte der
Eichendorff-Verein als einer der genannten Stifter den gesamten
Komplex in die neu gegründete „Stiftung Oberschlesisches Eichendorff
Kultur- und Begegnungszentrum“ ein. Der Aussiedlerbeauftragte der
Bundesregierung, Jochen Welt MdB (SPD), erinnerte bei der Einweihung
des Hauses am 12. Juli 2000 daran, „dass das Vorhaben, die in
Lubowitz vorhandenen Eichendorff-Gedenkstätten auszubauen auf der
,Gemeinsamen Erklärung’ vom 14. November 1989“ der damaligen
Regierungschefs Kohl und Mazowiecki beruhe. Auf Vermittlung des
bayrischen Ministerialrats Norbert Willisch war im Juli 2000 auch
der Showmaster oberschlesischer Herkunft Thomas Gottschalk in
Lubowitz und spendete dem Zentrum 50.000 DM. Mit der 2003
abgeschlossenen Restaurierung des ehemaligen Schulgebäudes zwischen
dem Begegnungszentrum und der Schlossruine bietet sich das
Eichendorffzentrum mittlerweile als attraktives Tagungszentrum an.
Im alten Schulgebäude sind neben der
Verwaltung (Buchhaltung, Vorstandsbüro, Sitz des Kulturleiters)
Schulungsräume, ein Computerraum mit 10 Plätzen und seit kurzer
Zeit ein Eichendorff-Gedenkmuseum angesiedelt.
In Zeiten der knappen Mittel der
öffentlichen Hand muss versucht werden die Stiftung weiter zu
erhalten, und mittels eines mittelfristigen Entwicklungskonzepts
helfen die Entwicklung voranzutreiben.
I. Wissenschaftszentrum
Die absolute Priorität der Stiftung
Oberschlesisches Eichendorff-, Kultur- und Begegnungszentrum in
Lubowitz liegt im kulturellen und wissenschaftlichen Bereich.
Fernziel ist es, das OEKB zum Kultur- und Wissenschaftszentrum für
die deutsche Volksgruppe in Polen auszubauen. Erste Ansätze, wie die
der Gründung des Wissenschaftlichen Rats und eines Verlags wurden
bereits in den letzten Jahren getätigt. Neben der Herausgabe der
Eichendorff-Hefte und der Bücherreihe „Perlen der schlesischen
Literatur“ sowie des „Lubowitzer Jahrbuchs“ gehören dazu auch die
Projektreihe „Treffen mit der schlesischen Kunst und Kultur“ und
eine Seminarreihe „Hilfswissenschaften für Schlesien“ die sich mit
der Heraldik, Numismatik und der Stempelkunde beschäftigt, sowie die
Herausgabe weiterer wissenschaftlicher Publikationen.
Im Herbst wurde die bisher im
Pfarrhaus befindliche Eichendorff-Gedenkstube in das Schulungshaus
überführt und zu einem Regionalmuseum ausgebaut. Die Ausstellung
wurde neu konzipiert und den veränderten Räumlichkeiten angepasst.
Die Räumlichkeiten bestehen jetzt aus 5 Räumen unterschiedlicher
Größe sowie einem in die Ausstellung integrierten Flur. Im größten
Raum befindet sich die Eichendorff-Gedenkstube. Die anderen Räume
beherbergen Gegenstände des täglichen Gebrauchs aus drei
Jahrhunderten, kirchlichen Gegenständen sowie eine kleine
archäologische Abteilung. In Lubowitz und im Nachbarort Bresnitz
befand sich bis ca. 500 v. Chr. die älteste und größte Siedlung auf
dem Gebiet der heutigen Republik Polen. sie wurde im Jahre 1929
entdeckt und seit den 70-ger Jahre nach der Erntezeit von der
Jagiellonen Universität aus Krakau planmäßig erforscht. Die Leiter
der Ausgrabungen, Herr Prof. Dr. Chochorowski erklärte sich bereit
einen Teil der Fundstücke dem Eichendorff-Gedenkmuseum als Leihgabe
zur Verfügung zu stellen.
Die geplante Bibliothek ist noch
nicht über das Anfangsstadium herausgekommen. Geplant wird auch die
Gründung eine Akademie für Kulturreferenten und Leiter sowie eine
Fachhochschule. Verstärkt wird die kulturelle Schulung der
Multiplikatoren der deutschen Volksgruppe durch Seminare wir die
Arnsberger Singwoche.
Eine große Rolle in den Überlegungen
zur weiteren Nutzung des OEKB spielt die Schlossruine.
Diese befindet sich in einem
ruinösen Zustand und es besteht akute Einsturzgefahr. Der Verfall
begann durch die Zerstörung im Jahre 1945, Regen, Schnee und Wind
haben der Ruine in den nachfolgenden Jahrzehnten weiter zugesetzt,
zumal die notwendigen Sicherungsarbeiten unterblieben. Das größte
Problem ist aber die Sicherung der Ruine. Jeder Regenguss oder
Windstoß lässt die ohnehin marode Bausubstanz weiter bröckeln; hier
ist Hilfe dringend erforderlich, zumal vom Bauamt eine Sicherung im
Jahre 2005 vorgeschrieben wurde.
Der Bund der Vertriebenen,
Landesverband Thüringen ging mit gutem Beispiel voran und hat am 26.
Mai 10.000,-- Euro für die notwendigsten Sicherungsmaßnahmen zur
Verfügung gestellt.
Ein Konzept für den Schlossaufbau
liegt bereits in Form einer Magisterarbeit eines Studenten der
Technischen Universität Gleiwitz vor.
Die nötigen Expertisen liegen
bereits vor, in den nächsten Tagen wird zusammen mit dem Landkreis
und der Gemeinde ein Antrag an die öffentliche Hand in Warschau und
Brüssel gestellt.
Um die vorgegebenen Ziele, den
Aufbau der Bibliothek und des Eichendorff-Gedenkmuseums zu einem
Regionalmuseum, - gegenwärtig verfügen wir bereits über ca. 1.500
Exponate die alle inventarisiert und katalogisiert werden müssen
sowie die wissenschaftliche Betreuung der Publikationen und
Veranstaltungen zu gewährleisten, sollte künftig die Stelle eines
wissenschaftlichen Mitarbeiters eingeplant werden.
II. Bildungsstätte/Akademie
Der wissenschaftliche und kulturelle
Bereich muss jedoch durch Maßnahmen und Projekte flankiert werden
die das betriebswirtschaftliche Überleben des OEKB garantieren.
Dies soll durch den Ausbau von drei
Bereichen geschehen:
1.
Fortbildungszentrum/Akademie
Nutzung der Räumlichkeiten des OEKB
als Akademie und Fortbildungsstätte der Jugend- und
Erwachsenenbildung.
Hier sind zwei Projekte in einer
Vorbereitungsphase:
a.
Landwirtschaft-Akademie
Gemeinsam mit den Landkreisen
Kandrzin-Cosel und Ratibor sowie dem Schlesischen Bauernverband soll
ein Fortbildungszentrum für Landwirte gegründet werden. Für die
Inhalte der Seminare und Veranstaltung zeichnen die anderen Gründer
verantwortlich, das OEKB stellt die Räumlichkeiten und Verpflegung.
Es fanden im Herbst letzten Jahres bereits Seminare für Landwirte
statt, für den Herbst sind weitere Schulungen geplant.
b. Schulungszentrum
Anders als mit der
Landwirtschaftsakademie verhält es sich mit dem Schulungszentrum für
Arbeitslose. Hier soll besonders der Computerraum und die Räume des
Schulungsgebäudes genutzt werden. Gespräche mit den Arbeitsämtern
auf Kreis- und Wojewodschaftsebene verliefen negativ. Gegenwärtig
werden Gespräche mit anderen Schulungsinstitutionen geführt.
c. Tagungszentrum
Wie in den letzten Jahren steht das
OEKB selbstverständlich weiterhin auch anderen Institutionen offen
die hier ihre Seminare durchführen wollen, es handelt sich
hauptsächlich um die ifa, die Deutsche Bildungsgesellschaft, das
Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit, den Kreis Ratibor und
Gruppen des DFK. Durch verstärkte Werbung sollen verstärkt auch
polnische Unternehmen aus den Wojewodschaften Schlesien und Oppeln
gewonnen werden hier ihre betrieblichen Schulungen durchzuführen.
III. Touristik
Des weiteren sollte der natürliche
Vorteil von Lubowitz als „Eichendorff-Pilgerstätte“ im Bereich
Touristik ausgebaut werden. Erste Gespräche mit den Vertretern der
drei auf tschechischer Seite gelegenen Eichendorff-Schlössern in
Deutsch Krawarn, Sedlnitz und Schillersdorf fanden bereits statt. In
Vorbereitung befindet sich ein dreisprachiger Reiseführer in dem
neben den o.g. Schlössern auch die auf der polnischen Seite
gelegenen Schlösser Lubowitz, Slawikau und Tost aufgeführt werden.
Hier soll auch der Versucht gemacht werden Mittel aus den
verschiedenen europäischen Töpfen abzugreifen.
In Zusammenarbeit mit dem Kreis und
der Gemeinde soll verstärkt der Bereich der Agrotouristik ausgebaut
werden. Angedacht wurde die Anlage eines Zeltplatzes, eines
Fahrradverleihs, Bootstouren auf der nahen Oder, etc.
Neben dem angestrebten Aufbau des
Schlosses erfordert die touristische Erschließung des Areals des
OEKB mit ca. 17 ha Fläche, mit vielen sich im ruinösen Zustand
befindlichen landwirtschaftlichen Gebäuden das größte
Investitionsvolumen. Im Bereich Touristik besteht dringend
Handlungsbedarf.
IV. Tagesgeschäft
Die dritte Einnahmequelle ist das
Tagesgeschäft. Darunter fallen hauptsächlich private Feiern wie
Geburtstage, Hochzeiten, Beerdigungen. Um den gastronomischen
Bereich weiter auszulasten ist es geplant „Spezialitäten-Wochen“
durchzuführen, wobei besondern Wert darauf gelegt werden soll, dass
einheimische Produkte bezogen werden.
Fazit: Wie im Jahre 2004 werden im
Jahre 2005 die am meisten aktiven Felder in den Bereichen Kultur und
Tagegeschäft liegen.
Ein zweiter Schwerpunkt liegt im
Bereich der Ruinensicherung sowie im Bereich der Agrotouristik.
Das OEKB ist leider der breiten
Öffentlichkeit immer noch zu wenig bekannt, deshalb wurde in der
Vergangenheit die Werbung verstärkt auf die Unternehmen der
Wojewodschaften Schlesine und Oppeln gelenkt damit diese Schulungen
und Veranstaltungen im OEKB durchführen.
Erschwert hat die Lage die komplette
Kürzung der Zuschüsse für 2004 im Dezember in Höhe von 98.500,-- PLN,
für diese Jahr sind evtl. 40.000,-- PLN vorgesehen. Die Förderung
durch das BMI läuft aber spätesten am Ende des Jahres 2005 aus.
Hier sind die Politiker der
deutschen Volksgruppe gefordert sich mehr in diesem Bereich zu
engagieren. Jede Volksgruppe benötigt - will sie langfristig ihre
kulturelle Identität wahren, neben der kulturellen Breitenarbeit wie
Chöre, Orchester, Medien auch ein geistiges Zentrum. Lubowitz bietet
sich hier aufgrund der Lage und der Gesichte besonders an.
Adrian Sobek

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