Lubowitz die urzeitige Festung an der Oder
Lubowitz, als Geburtsort des größten Dichters der deutschen Romantik Joseph Freiherr von Eichendorff hat schon seinen Platz in den Büchern gefunden. Wenig bekannt sein dürfte die Tatsache, dass sich in Lubowitz, etwa dort wo sich heute die Schloßruine befindet in der Zeit zwischen 900 und 500 v. Chr. eine menschliche Siedlung befand die nach dem gegenwärtigen Stand der Grabungen die größte auf dem Gebiet der Republik Polen gilt. Die Jagiellonen Universität zu Krakau führt seit dem Ende der 90-ger Jahre regelmäßig nach der Ernte Ausgrabungen durch, so auch in diesem Jahr.
Zur Geschichte der Festung und der gegenwärtigen Ausgrabungen lassen wir den Leiter der Ausgrabungen, Herrn Prof. Dr. Jan Chochorowski zur Wort kommen:
Die urzeitige Festung in Lubowitz an der Oder stammt der Bronze- und der Eisenzeit (IX-VII Jh. vor Chr.), ist mit Fläche von 25 ha, die größte Festung aus diesem Zeitalter die in Polen bisher entdeckt wurde. Die Wälle der Festung wurden schon von Eichendorff in seiner Poesie erwähnt. Sie sind sehr gut sichtbar, besonders von der Nord- und Westseite, denn dort wurden sie noch nicht durch Feldarbeiten zerstört. Das Plateau im Odertal wurde im XIII/XII Jh. vor Chr. erstmals besiedelt. Damals war es noch eine kleine offene Siedlung, die aus einzelnen Häusern und Erdhöhlen bestand. Erst um das Jahr 800 v. Chr. wurden die Häuser umzäunt. Die Fortifikation wurde mindestens zweimal neu gebaut. Letztendlich wurde die Befestigung zu einem Deich aus Erde umgebaut. Der Deich war 12 m breit und durchschnittlich 8 m hoch, ganz oben befand sich eine Holzbrücke für die Verteidiger.
Die meisten Wohnhäuser dieser Zeit befanden sich im Ostteil der Siedlung, nahe dem Odertal. Es waren Holzbehausungen und Erdhöhlen mit Feuerstätte und Keller. Diese Bauten waren ziemlich eng und unregulär gebaut. Die Wohnhäuser erstreckten sich vom Rand des Plateaus bis zum heutigen Eichendorff-Gedenk-Museum. Diese Seite der Festung wurde leider größtenteils am Ende der 60-ger Jahre des XX Jh. durch eine Kiesgrube zerstört. Der westliche Teil der Festung war eher wenig besiedelt. Dort befanden sich höchst wahrscheinlich Äcker und Obstgärten. Bei Gefahr hat sich wahrscheinlich dort die ganze Bevölkerung aus den Orten nahe Slawikau, Grzegorzowitz und Bresnitz versammelt und dort Sicherheit gesucht.
Die Bewohner der Lubowitzer Festung waren überwiegend Bauern und Viehhirten, die ihre Herden an den Wiesen im Odertal geweidet haben. Es gab auch einige Handwerker und Händler. Die meisten Äcker der Bauern waren am Rande des Hochlandes, entlang dem Odertal, gelegen. Trotz der großen Fortifikation wurde die von ca. 1000 Einwohnern bewohnte Festung im VI Jh. vor Chr. zerstört. Die Angreifer waren vermutlich Nomaden aus der Gegend des Schwarzen Meeres, die in der damaligen Zeit ganz Mitteleuropa geplagt haben. Die Festung war damals die größte Siedlung in der Region, Sitz der damaligen Herrscher, ein Produktions- und Handelszentrum und somit eine kostbare Beute für die Angreifer.
Anfangs wurden die Verstorbenen der Lubowitzer Festung auf einem Friedhof im Nord-Westen, gleich hinter den Wällen bestattet. Nach dem Ausbau der Befestigung wurde ein neuer Friedhof am Bresnitzer Plateau im Odertal errichtet. Dieses Gebiet ist ein hervorragender Aussichtspunkt mit einem tollen Blick auf die ehemalige Festung und heutiges Lubowitz.
Am Ende der Bronzezeit (X-VIII Jh. vor Chr.) haben die meisten Völker Mitteleuropas an den Sonnengott geglaubt. Den Sonnengott haben eine runde Sonnenscheibe und Feuer symbolisiert.
Die Toten wurden auf einem Holzstoß verbrannt. Es wurde geglaubt, dass das Feuer die Seele vom Körper befreit und sie für den Weg zur Sonne vorbereitet. Die Seelenwanderung wurde vom Sonnenwagen mit Pferden symbolisiert. Der Sonnenwagen sollte die Seele des Toten in Jenseits bringen. Diesen altertümlichen Glauben bestätigt die Entdeckung, dass auf dem urzeitigen Friedhof in Bresnitz nur Gräber mit verbrannten menschlichen Überresten gefunden wurden. Die Asche der Verstorbenen wurde in Tongefäßen begraben. In die Gräber wurden auch Behälter mit Lebensmitteln und Getränken, sowie kleine Gefäße mit Kosmetika zur Körperpflege gegeben. In vielen wurden neben den sterblichen Überresten (Knochen) auch zahlreiche Schmuckstücke aus Bronze (Knöpfe, Armbänder, Ringe, Kleidernadeln) gefunden. Dies lässt vermuten, dass die Toten in festlicher Kleidung verbrannt wurden.
Dank den Untersuchungen, die auf dem alten Friedhof durchgeführt wurden, konnten einige anthropologische Merkmale des Volkes festgestellt werden. Die durchschnittliche Lebensdauer betrug damals 25 Jahre. Dies war durch den hohen Sterblichkeitsfaktor der Kinder bedingt. Eine der größten Beschwerden der damaligen Zeit waren die Gelenkskrankheiten, die durch schlechte Lebensbedingungen verursacht wurden. Es wird geschätzt, dass sich auf dem Friedhof ca. 500 Gräber befinden.
Die ethnische Zugehörigkeit des Volkes konnte jedoch nicht ermittelt werden. Das erste historisch bekannte Volk dieser Region, waren die Kelten, die 150 Jahre nach dem Untergang der Lubowitzer Festung im Odertal aufgetreten sind.
Herrn Prof. Dr. Chochorowski gebührt großer Dank, wurden doch durch seinen Einsatz viele der in den letzten Jahren in Lubowitz gefundenen Gegenstände in dem seit April bestehenden Eichendorff-Gedenk-Museum ausgestellt und bilden einen Anziehungspunkt für Schulklassen und Besucher der Gegend. Zu den Bildern, hier...
Das Eichendorff-Gedenk-Museum ist Montag bis Freitag von 09.00 bis 17.00 Uhr an Samstagen, Sonn- und Feiertagen nach Absprache.
Adrian Sobek
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